WordPress – irgendwie doch gut

Seit ca. 15 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Webdesign, davon mindestens 12 Jahre mit diversen Content Management Systemen. Begonnen habe ich mit PHPNuke, es folgte TYPO3, Drupal, concrete5 und Silverstripe. Jedes dieser Content Management Systeme (abgesehen von PHPNuke) habe ich für mindestens eine Kundenwebsite eingesetzt. Mit jedem lies sich arbeiten, jedes von ihnen hatte andere Vor- und Nachteile.

Hängen geblieben bin ich vor einigen Jahren bei WordPress. Immer wieder las ich über die große Verbreitung von WordPress und startete neue Versuche, Websites auf Basis von WordPress zu realisieren. Zufrieden war ich mit dem Ergebnis nie. Ein Blog ist mit WordPress schnell erstellt, die klassischen Content Management Fähigkeiten fehlten jedoch an vielen Stellen. Auch das Erstellen von Erweiterungen ging bei anderen Content Management Systemen schneller, besser und einfacher.

TYPO3

Vor WordPress setzte ich viele Jahre primär auf TYPO3 und Drupal. TYPO3 ist extrem mächtig, jedoch für die Mehrzahl meiner Websites schlichtweg überdimensioniert und relativ träge und behäbig. Die Kunden haben die Bedienung als relativ kompliziert empfunden, das Erweitern von TYPO3 über Extensions ist aufwändig. Das Einspielen von Updates bei TYPO3 war unnötig kompliziert (kann mittlerweile anders sein), weshalb es viel Aufwand erforderte, die Websites aktuell zu halten. Viel Aufwand bedeutet für Kunden in Konsequenz hohe Kosten, weshalb ich TYPO3 nicht weiter einsetzen wollte.

Drupal

Mit Drupal verhielt es sich kaum anders. Bei der Weiterentwicklung wird fast keine Rücksicht auf Abwärtskompatibilität genommen. Das hat zur Folge, dass mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Websites nicht mehr sauber funktionieren, sobald die ersten größeren Updates eingespielt wurden. Spätestens bei Major-Release-Wechseln kämpft man mit größeren Problemen. Die Folge sind Anpassungen von eigenen Erweiterungen und Designs und damit auch wieder relativ hohe Aufwände. Der zweite große Negativ-Punkt von Drupal ist, dass die Kunden die Admin-Oberfläche von Drupal immer als überladen und kompliziert empfunden haben – schlichtweg wenig intuitiv. So richtig glücklich war ich daher mit beiden großen Lösungen (Drupal und TYPO3) nicht, weshalb kurze Ausflüge in die Welt von concrete5 und Silverstripe stattfanden. Die beiden CMS sind jedoch nicht verbreitet genug, als dass hier wirklich eine Nachfrage zu verspüren ist. Es gibt für beide CMS zwar Erweiterungen, jedoch nicht im Umfang von „den großen“ Content Management Systemen.

WordPress

Da mir veraltete Websites immer viel Sorge bereiteten, entdeckte ich dann bei der Recherche im Internet vor einiger Zeit InfiniteWP. InfiniteWP ist eine Verwaltungsoberfläche für WordPress-Installationen. Mit der Software können Websites automatisiert aktualisiert, gesichert, gewartet und betreut werden. So viel Komfort gab es bisher bei keinem anderen CMS. Da mir solch eine Lösung seit jeher für die Administration der von mir betreuten Websites fehlte, entschied ich mich, mich eingehend mit WordPress zu beschäftigen, um zu prüfen, ob nicht doch meine Anforderungen auch von WordPress erfüllt werden können. Und siehe da: WordPress ist „erwachsen“ geworden und begann, mich zu überzeugen. Nach den ersten umgesetzten Websites, den ersten entwickelten Plugins und den super komfortablen Updates bestehender Sites entschied ich mich, fortan auf WordPress zu setzen. Die Kunden waren glücklich, da sie mit dem relativ intuitiven Backend gut zurecht kamen und die Inhalte fortan selbst aktualisieren konnten. WordPress legt großen Wert auf Abwärtskompatibilität, weshalb auch alte Erweiterungen und Anpassungen bei neuen Releases zumeist problemlos weiter funktionieren. Hier liegt jedoch das große ABER: Durch die Abwärtskompatibilität fällt es WordPress schwer, sich von alten, teilweise auch veralteten Techniken zu trennen. An vielen Stellen wirkt WordPress nicht wirklich modern. So sind beispielsweise nur Teile des Kerns objektorientiert programmiert, es gibt keine Model-View-Controller-Trennung (MVC), vieles wirkt zusammengebastelt. Trotz dessen gilt: Es funktioniert und das sogar sehr stabil.

Plugins und Frameworks

Man muss sich jedoch mit diesen Nachteilen arrangieren. Eigene Plugins entwickle ich mittlerweile objektorientiert, auch wenn ich auf einen zumeist nicht objektorientierten Kern zurückgreifen muss. Auch das Entwickeln von WordPress-Designs (Themes) ist nicht wirklich angenehm. In diese Lücke springen Frameworks wie beispielsweise das Genesis-Framework, die die Entwicklung von WordPress-Themes deutlich vereinfachen. Meine WordPress-Standardinstallation bedient sich mittlerweile einer Fülle an Plugins, die wirklich geniale Features nachrüsten. Durch die große Verbreitung von WordPress ist der Markt hier einfach riesig. Auf dieser Seite habe ich diejenigen Plugins zusammengefasst, die ich häufig und gerne einsetze. Einige davon sind kostenpflichtig, jedoch habe ich zumeist darauf geachtet, sogenannte „Lifetime Licenses“ zu erwerben, also Lizenzen, durch die in Zukunft keine weiteren Kosten mehr entstehen. So bleiben die laufenden Kosten vorhersehbar und – nach einer gewissen Anfangsinvestition – niedrig.

Blick in die Zukunft

Meine Hoffnung liegt in der Zukunft. WordPress muss es schaffen, am Ball zu bleiben und die Zukunft nicht zu verschlafen. Bisher zeigt WordPress jedoch auch, dass dieser Wille vorhanden ist. Bei jedem neuen Release werden ca. 10-15% des gesamten WordPress-Kerns aktualisiert. Ein großes Problem sehe ich in den unterstützen PHP-Versionen. So verlangt PHP mindestens nach PHP-Version 5.2.4 (empfohlen ist PHP 5.4) – einer PHP-Version, die seit fast 5 Jahren nicht mehr unterstützt wird. In meinen Augen müsste sich WordPress hiervon unbedingt trennen und eine aktuellere Version erfordern. Wer bei seinem Hosting-Paket oder Webserver auf solch veraltete Software setzt, ist schlichtweg selbst schuld. Darauf darf keine Rücksicht genommen werden. Im Gegenzug „schadet“ man damit nämlich allen Nutzern, die ihre Hausaufgaben machen und auf aktuelle PHP-Versionen setzen, indem neue Features nicht genutzt werden können (da die alten PHP-Versionen diese Features nicht unterstützen). Der große Vorteil von WordPress liegt in seiner enormen Verbreitung. Mehr als 60% aller CMS-Websites sowie mehr als 24% aller existierender Websites greift auf WordPress zurück (Quelle). Diese enorme Verbreitung führt dazu, dass hinter WordPress eine sehr aktive und engagierte Community steckt, die bei Problemen weiterhilft und sinnvolle Lösungen findet, mit Einschränkungen umzugehen.

Fazit

Wenn man WordPress so akzeptiert, wie es ist und den Funktionsumfang über einige der genialen Plugins erweitert, dann erhält man ein geniales, flexibles und einfach zu bedienendes CMS. Die langfristige Zukunft von WordPress wird jedoch davon abhängen, wie mit den „alten Zöpfen“ umgegangen wird. Diese müssen nach und nach abgeschnitten werden, damit moderne Features Einzug in das CMS halten. Bei diesen Features spreche ich insbesondere von Programmierungs-Features, der „normale“ Kunde und Endanwender wird davon wenig mitbekommen.

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